Biography

.. BESETZUNG: Rickie Lee Kroell (Gesang/Piano) Luke Cyrus (Gitarre) Lorenz Heigenhuber (Bass) Manni Müller (Drums) Szene in einer Münchener U-Bahn. Einige Wochen, nachdem ich sie kennen gelernt hatte,  konnte ich Rickie Lee Kroell beobachten – unbemerkt von ihr. Da saß diese junge Frau von gerade 20 – schön, wohl erzogen, fast etwas scheu – und sah mit großen Augen in die Welt hinaus. ›Versonnen‹. dachte ich, ›das ist das passende Wort für sie!‹ Ja, sie war versonnen, erstaunt über diese elektrisch erleuchtete Unterwelt, in der sie sich mit so großer Anmut bewegte und die sie wie ein fremder Stern erleuchtete. Man lehnt sich ja als freundlicher Pressebiograf gerne aus dem Fenster, um das Talent seines ›Schützlings‹ ins rechte Licht zu rücken. Aber das braucht es in diesem Fall gar nicht. Rickie Lee Kroell hat ganz einfach den X-Faktor. Oder, wie man so sagt: »Es gibt Vögel, die pfeifen, und Vögel, die nicht pfeifen«. Um im Bild zu bleiben: Rickie Lee kann pfeifen, oder genauer: singen, texten, Songs schreiben. Der beste Beweis dafür heißt »Otherwise« und ist das nun vorliegende Debüt der in New York geborenen, in München aufgewachsenen Lady. Darauf findet der geneigte Hörer zehn Hochkaräter, die die Extraklasse der Künstlerin belegen. Nicht genug damit, dass sie eine Stimme hat, wie man sie selten zu hören bekommt – kühl wie Seide, betörend, verführerisch ... Nein, sie interpretiert ihre selbst verfassten Songs auch so eigenwillig, wie man es einer 20jährigen kaum zutraut. Mit anmutigem Stolz, einer eigenwilligen Intonation dargeboten als Cocktail aus Pop-Melodik, Jazz-Harmonien, R&B und Soul. Rickie Lee, die ihre profunde musikalische Begabung inzwischen an der renommierten Berklee School Of Music in Boston veredelt, begleitet sich dazu auf dem Piano und lässt die geheimnisvolle Ambivalenz der Texte nachwirken. Ihre Äußerungen zum Schreiben (siehe weiter hinten) beleuchten den spannenden Entstehungsprozess dieser teils irritierenden, sanft melancholischen Zeilen über das Sich-Verlieben, das Verlorensein, Bleiben und Gehen, Liebe und Zurückweisung. Im Januar 2011, da war die Single »Call Me When It’s Over« gerade aufgelegt worden, gab Rickie Lee im Münchner Szeneclub Atomic Cafe ihr erstes Konzert in Deutschland. Nun, das ist nicht ganz richtig, denn bereits im Herbst 2010 hat RLK mit ihrer Band 25 viel beachtete, innovative Webauftritte absolviert – jeden Abend ein exklusives Live-Konzert für ein vorher bekannt gegebenes Portal. Direkt ins Netz ›gestreamt‹ verfolgten viele tausend User diese einzigartige Tour bis zum Höhepunkt: Dem Abschlusskonzert, übertragen von rollingstone.de. »Nicht nur ihre Stimme ist bemerkenswert. Wer in diesem Alter solche Songs schreibt, hat die Zukunft vor sich«, sagte Bernd Gockel, seinerzeit Chefredakteur des Rolling Stone, über die junge Künstlerin. »This girl can sing, sing, sing!«, begeisterte sich auch Mark Plati, Produzent von David Bowie, nachdem er die junge Dame auf der Bühne erlebt hatte. Und mit was? Mit Recht! »Otherwise« versammelt alle Pretiosen, die vor dem inneren Gericht des selbstkritischen Ausnahmetalents bestehen konnten: das silbrig-schimmernde »Thanks To Dean«, das heiter-schwermütige »Call Me When It’s Over«, das leicht gestimmte, »All At War« mit Stevie-Wonder-artigen Licks, das akustisch anmutende »Wide Open«, das sich zum Refrain hin verdichtet und Fahrt aufnimmt, um dann wieder in ruhiges Strömen überzugehen, das wundersame »Voices« mit Talkbox-Gitarren und verknisterten Vocals ... Kroell, Spross einer musikalisch und musisch ›vorbelasteten‹ Familie, rührt jede Sekunde – und ohne es vielleicht selbst zu wissen – an jene tiefen Schichten, wo man die mythische Kraft von Musik verorten kann. Wittgenstein etwas abgewandelt: ›Wovon man nicht mehr sprechen kann, davon soll man singen‹. Und das tut Rickie Lee Kroell mit unnachahmlicher Grazie. Anhören, Seele baumeln und verzaubern lassen. Ein Roadtrip nach innen.